Graziella Rossi spielt einen wunderbar ergreifenden Text über ein Frauenschicksal im vergangenen Jahrhundert. PDF download Infoblatt
Freitag, 27. Januar 2012, 20.15 Uhr
Samstag, 28. Januar 2012, 20.15 Uhr

Graziella Rossi: «Rose»

Vom Schtetl nach Miami Beach. Unruhige Fahrt. ROSE, das ist die Lebensgeschichte einer Jüdin im ausgehenden 20. Jahrhundert. Einer Frau, die Witz, Humor, Weisheit, Geist, Gefühl und Lebenskraft in sich vereinigt. Geschildert wird der Untergang der jiddischen Kultur, die Kluft zwischen liberalen und orthodoxen Israelis und die Entfremdung zwischen Israelis und Juden aus der Diaspora in der „Alten Welt“. So landet Rose spät in ihrem Leben in Israel und versteht da die Welt nicht mehr.

Das Stück erzählt auf packende, berührende Weise, nicht ohne eine gehörige Portion grimmigen jüdischen Humors, das Schicksal einer Überlebenden. Rose: im ukrainischen Schtetl geboren, im Warschauer Ghetto die grosse Liebe ihres Lebens kennen gelernt, in Deutschland ins Lager gesperrt, Flucht nach Frankreich, Exodus nach Palästina, Rücktransport nach Deutschland, Flucht aus dem Viehwagen mit Hilfe eines amerikanischen Soldaten, dem sie nach Atlantic City folgt; Heirat, Kinder, Witwenschaft, Karriere, Florida; Besuch beim Sohn, der nach Israel ausge- wandert ist, Enkelkinder, die Intifada - Israelis erschiessen Kinder, so wie es die Nazis taten. Rose versteht die Welt nicht mehr und der Sohn, der Israeli, sagt ihr, seiner amerikanischen Mutter: „natürlich verstehst du das nicht, Mama, du bist keine von uns.“ Eine „displaced person“ – ein langes Leben lang. Und was für ein Leben! Also sitzt sie Shiv’a (Shiwe) – Trauern für einen nahen Verwandten.

ROSE ist nicht nur ein Stück über das letzte Jahrhundert und seinen Schrecken; die Problematik gilt noch heute mit den weltweit Millionen von Geschändeten und Vergewaltigten, mit den hungernden und entstellten Opfern von Habgier und Verachtung der Mächti- gen, mit den endlosen Flüchtlingsströmen und Flüchtlingslagern, der ungeheuren Zahl von ‚displaced people’ auch in der Schweiz.

Martin Sherman geboren 1938 als Sohn jüdischer Immigranten in Philadelphia, seit 1980 in London. Rose wurde für den Laurence Olivier Award nominiert.

Graziella Rossi spielte im Theaterstudio Olten bereits mehrere wunderbare Frauenfiguren: Penelope (2009), Maria Callas (2008), Sabina Spielrein (2006/2008) und das Stück „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ (2004).

Regie: Klaus Henner Russius, Musik: Daniel Fueter