Von Begehren und Verführung im Zirkel der Erotik - eine packende szenische Lesung.
PDF download Infoblatt
Freitag, 14. März 2008, 20.15 Uhr
Samstag, 15. März 2008, 20.15 Uhr

Theater-Pack: «Reigen. Ein Lesetheater»

Inhalt: Reigen sexueller Begegnungen mit raschem Verfalldatum, eine brillante Komödie. Das damals skandalöse Werk von Arthur Schnitzler – 1896/97 geschrieben, aber erst 1920 als ganzes Stück urauf­geführt – wurde auch schon als Totentanz bezeichnet, wo Gefühle wie Liebe und Treue nicht lebensfähig sind und kein Vertrauen wachsen kann. Der Sex, der da getrieben wird, ist geschäftsmässig oder flammt zu einem Feuer der Leidenschaft auf, das rasch wieder in sich zusammenfällt. Zehn Hauptfiguren treten jeweils paarweise auf. Danach wird jeweils einer der Handeln­den ausgewechselt, langsam der gesellschaftlichen Rangordnung folgend. So ergeben sich Konstellatio­nen aus allen sozialen Schichten und mit den unter­schiedlichsten Lebenserfahrungen, in ihrem Umfeld Ausbeuter und Ausgebeutete zugleich, die sich zu letztlich makabren Verrenkungen der Lust treffen. Durch die letzte Beziehung schliesst sich der Reigen, er kann theoretisch endlos fortgesetzt werden.

Inszenierung: Die Inszenierung wechselt schwungvoll zwischen Lesung und Spiel, die Rollen der Spieler ändern sich permanent und unmerklich. Im labilen Gleichgewicht zwischen Darstellung und Darbietung lösen sich klare Zuschreibungen auf – im gleichen Halbschatten, in dem Erotik gedeiht, findet sich das Publikum. Modellhaft und leicht werden alle möglichen Spielarten der Verführung, der Nähe und Distanz, der Treue und des Betrugs vorgeführt, und trotz des 100-jährigen Jubiläums hat das Stück nichts von seiner grossen Ironie und dem Witz verloren.

Arthur Schnitzler (1862-1931) ist ein bedeutender Dramatiker der Wiener Moderne. Die Uraufführung von «Reigen» zog schon 1921 einen Prozess wegen Erre­gung öffentlichen Ärgernisses nach sich. Danach zog Schnitzler seine Aufführungsgenehmigung zurück. Er brachte sexuelle Tabus zur Sprache, welche die auf Rationalität und Fortschritt orientierte Gesellschaft verdrängte. Im selben Kontext, in dem Sigmund Freud die Psychoanalyse entwickelte, zeigte Schnitzler, dass im Unterbewussten des Menschen Kräfte wohnen, die sich der Kontrolle des Verstandes entziehen.

Theater-Pack aus Oberentfelden bietet professionell­es, freies Theater. Es spielen Claudia Klopfstein, Dodó Deér und Hansueli Trüb. Regie führt Stephan Lichten­steiger. Weitere Infos: www.theaterpack.ch

Programmhinweis: FR/SA, 2./3. Mai 2008, Theater Kanton Zürich mit «Messer in Hennen» von David Harrower. Es spielen: Nobert Schwientek, Rachel Matter und Christian Kaiser.